Meine persönliche Glücksformel:

LIEBEN - LAUFEN - LERNEN


Petra Cancola | Mentaltrainerin, NLP-Resonanz-Master, Dipl. LSB, isozertifizierte Fachtrainerin

 

INTERVIEW

Frau Cancola, Sie arbeiten als Mentaltrainerin und Potenzialcoach unter anderem mit LeistungssportlerInnen und Menschen, die tagtäglich ihre persönliche Bestleistung abrufen wollen und die dadurch zunehmend in die Burnout-Falle tappen?
Das stimmt. Ich war selbst viele Jahre Leistungssportlerin und Mitglied des Nationalteams für Rhythmische Sportgymnastik und kenne die mentalen Gesetze von GewinnerInnen. Mein Vater hat eine Fußballkarriere hinter sich und mein 15-jähriger Sohn steckt mitten drin. Meinen Mann könnte man durchaus als „Workaholic“ bezeichnen und meiner Tochter sind keine beruflichen Ziele hoch genug. Meine Zielgruppe ergab sich also nicht ganz zufällig.
An dieser Stelle möchte ich gleich etwas betonen, das mir sehr wichtig ist, das Wort ‘Burnout’ betreffend:
Es gibt Situationen, in denen es von Vorteil wäre, die Dinge nicht beim Namen zu nennen, besonders wenn es sich um solche Diagnosen handelt. Allein die dauernde Wiederholung des Wortes ‘Burnout’ setzt bereits eine Programmierung in Gang, die niemandem gut tut. Lassen Sie uns doch einfach über erschöpfte Menschen sprechen.

Klingt verständlich. Was haben also LeistungssportlerInnen und Menschen am Rande der Erschöpfung gemeinsam?
Um im Leistungssport erfolgreich zu sein, bedarf es einer großen Begeisterung für das, was man tut. Wer diese Begeisterung in sich trägt, wird von Körper und Geist mit genügend Durchhaltevermögen belohnt, um Großes zu erreichen.
Auch KlientInnen an der Grenze zu einem Zusammenbruch haben fast immer für ihre Arbeit „gebrannt“, bevor sie im wahrsten Sinne des Wortes „ausbrannten“.
Überhaupt ist Begeisterung ein Angelpunkt in meinem Coaching:
im positiven Sinn als Motivator und Garant für Erfolg, im negativen Fall als „Falle“ zur Überschreitung seiner individuellen Belastbarkeitsgrenzen.
Der Vorteil, den LeistungssportlerInnen haben, ist, dass sie ihren Körper besser kennen, Signale schneller deuten und – weil ihr Körper ihr Kapital ist – schneller reagieren.

Warum scheint Erschöpfung die neue Volkskrankheit der westlichen Welt zu sein?
Die Antworten darauf sind zahlreich und komplex.
Gekürzt könnte man sagen: Weil wir aus der Balance gekommen sind.
Oder andersrum: Wir sind nicht mehr in unserer Mitte.
Das führt dazu, dass nicht nur die Zahl von total erschöpften Menschen steigt, sondern auch die der sogenannten Messis, der Menschen mit Putz-Sucht, Essstörungen, mit diversen anderen Suchtkrankheiten und zwanghaften Störungen deutlich ansteigt.
Für mich alles Hinweise, dass viele Menschen aus ihrer Mitte geraten sind und in eine Richtung „extrem“ agieren (müssen).

Aber warum?
Konstante Reizüberflutung bringt zuviel an Input.
Wir sind aber mit unserer Aufmerksamkeit nur noch im Außen und spüren nicht einmal mehr, wie es uns geht und wie überfordert wir sind. Die Verbindung zu uns selbst ist nicht mehr intakt, die Kommunikation zwischen Körper, Kopf und Herz ist gestört.
Wir steigen aus.
Das ist eine reine Überlebensstrategie des Körpers, eine gesunde Reaktion auf ungesunde Zustände.
Der Zusammenbruch kommt für die Betroffenen dennoch meist überraschend.

Woran merken potenzielle KanditatInnen, dass sie gefährdet sind?
Es gibt verlässliche Tests, die man auch im Netz finden kann.
Ich habe auch einen „Express-Test“ dazu entwickelt, der, obwohl mit einem Augenzwinkern anzuwenden, treffsicher, schnell und unbürokratisch aufzeigt, wann Handlungsbedarf besteht.
1. Sind Sie montags schon so kaputt als wäre es Freitag?
2. Kostet Sie das Zähne putzen soviel Kraft wie ein Beziehungsgespräch?
3. Können Sie auch mit großer Mühe nicht mehr sagen, ob Sie Ihre Frühstückseier lieber scrambled, boiled or sunny side up mögen?
(... aus dem Film „Die Braut, die sich nicht traut“ ... da stellt Julia Roberts fest, dass Sie sich soweit von sich entfernt hatte, dass sie nicht einmal mehr wusste, was ihr schmeckt und was nicht)
Bei 3 mal „ja“ sollten Sie sich einen Coachingtermin mit mir gönnen.

Welche Möglichkeiten haben Sie als Mentaltrainerin und Coach, Ihre KlientInnen vor dem Zusammenbruch zu bewahren?
Schon im Erstgespräch komme ich mit der goodmind® Methode schnell zum Status quo und weiß, wo ich meine KlientInnen abholen muss. Von da an ist meine Grundmotivation als Coach, die KlientInnen dahin zu bringen, ihre eigenen Entscheidungen zu treffen, hinter denen sie stehen können.
Ein konstruktiver Ansatz wäre, gemeinsam die persönlichen Werte zu definieren und zu schauen, ob diese auch gelebt werden. Nur damit kann man eine individuelle ‘work-private balance’ erarbeiten, die einem Zusammenbruch entgegen steuert.
Ich vermeide ganz bewusst den für mein Empfinden gänzlich unsinnigen Ausdruck ‘work-life balance’, denn dieser würde ja bedeuten, dass ich mich zwischen Arbeit und Leben entscheiden muss.
Durch den Prozess der Werte-Findung entsteht eine Art Verbindlichkeit sich selbst gegenüber; diese ist der Schlüssel zur Konsequenz.

Ein Beispiel: Wenn mein oberster Wert Familie ist, dann werde ich selbst als begeisterte und erfolgreiche Auslandsjournalistin durch diesen Wertekonflikt früher oder später an meine Grenzen stoßen.
Oder umgekehrt: Wenn meine Hauptwerte „Unabhängigkeit“, „Erfolg“ und „Anerkennung“ sind, dann sollte ich mir überlegen, ob ich 5 Kinder in die Welt setzen möchte, nur weil es vielleicht die Werte meines Partners abdecken würde.

Der nächste wichtige Schritt, einen Zusammenbruch zu verhindern, ist, sich die eigene Erholungsbilanz genauer anzusehen.
Je größer der Druck ist, desto wichtiger ist es zu wissen, wie ich mich auch in kürzester Zeit, ohne Hilfe von außen (z.B. Medikamente) so auftanken kann, dass der Zeiger nie gegen Null geht. Für die meisten von uns ist der Urlaub nicht mehr ausreichend, um den „Tank“ wirklich aufzufüllen. Hier dürfen wir von den östlichen Kulturen lernen, wie es funktioniert, die Erholung in den Arbeitsalltag zu integrieren. z.B durch Autogenes Training, Medidation, Atmungstechnik.

Als Coach weiß ich sehr schnell, mit welchem Stress- oder Reaktionstypus ich es zu tun habe (nachzulesen unter Sympathikotoniker und Vagotoniker) und kann die entsprechenden „Tankstellen“ mit meinen KlientInnen ansteuern.
Wenn wir die individuelle Kraftquelle kennen, arbeiten wir im nächsten Schritt an den „Krafträubern“, inneren Sabotageprogrammen und Glaubenssätzen, die wertvolle Energie binden.

Wieviele Coachingstunden braucht man, um gegen einen Zusammenbruch gerüstet zu sein?
Nach 3-5 goodmind® coaching Einheiten wissen KlientInnen ganz genau, was sie brauchen, um in ihre ‘work-private balance’ zu kommen, die ihnen langfristigen Erfolg – privat und beruflich – ermöglicht; weiters kennen und leben sie jetzt ihre Werte, die ihnen eine Richtung vorgeben und ihrem Tun die oftmals unterschätzte Sinnhaftigkeit verleihen.
Beides sind nach meiner Erfahrung die 2 wesentlichen Punkte in der Prävention und die Voraussetzung für Siege und positive Erfolgsbilanzen in unserem Leben.

... und sie wissen definitiv wieder, wie sie ihre Frühstückseier am Liebsten essen.